Frau Cetin, wenn Sie an Ihre Zeit als Schülerin zurückdenken – was würden Sie Ihrer damaligen Lehrkraft heute gern sagen?
Ich würde einfach Danke sagen. Danke dafür, dass er in mir schon ein Potenzial gesehen hat, das ich selbst damals vielleicht noch nicht erkannt habe.
Sie bringen als neue Schulleiterin frische Energie und neue Perspektiven mit. Was hat Sie motiviert, die Leitung der Berufsfachschule zu übernehmen?
Mich motivieren meine Erfahrungen und meine Leidenschaft für die Pflege. Vor allem aber die Chance, die Ausbildung aktiv mitzugestalten und junge Menschen für diesen wertvollen Beruf zu begeistern.
Welche Werte oder Überzeugungen möchten Sie in Ihrer neuen Rolle einbringen?
Mir ist wichtig, dass sich Lernende wie Lehrende gesehen, gehört und respektiert fühlen. Gute Pflege fängt meiner Meinung nach mit einem respektvollen Miteinander an.
Junge Menschen stehen heute vor vielen Möglichkeiten. Wie möchten Sie sie für einen Pflegeberuf begeistern?
Pflege bedeutet, jeden Tag etwas Sinnvolles zu tun, und das ist für viele eine echte Motivation. Außerdem möchte ich zeigen, wie vielseitig und zukunftsfähig dieser Beruf ist, nämlich durch moderne Ausbildungswege, spannende Spezialisierungen und gute Karrierechancen.
Gute Ausbildung ist weit mehr als Wissen zu vermitteln. Was ist Ihnen in der Begleitung von Schülerinnen und Schülern besonders wichtig?
Mir liegt eine vertrauensvolle Lernatmosphäre am Herzen. Unsere Schüler:innen sollen spüren, dass sie ernst genommen werden. Als Menschen, nicht nur als Lernende. Wir begleiten sie individuell, unterstützen ihre persönliche Entwicklung und ermutigen sie, Verantwortung für ihren eigenen Lernweg zu übernehmen.
Die Pflege ist im Umbruch, Stichworte Generalistik, Digitalisierung, Fachkräftemangel. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie aktuell für unsere Schule?
Die generalistische Ausbildung fordert uns heraus, ein klares pädagogisches Profil zu entwickeln. Wir brauchen praxisnahe Didaktik, interprofessionelle Zusammenarbeit und den Blick auf ganzheitliche Pflegekompetenz. Gleichzeitig heißt das: Wir müssen digitale Lernformate ausbauen, attraktive Lernorte schaffen und unsere Lehrkräfte gezielt weiterqualifizieren.
Wie wichtig ist Ihnen das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen?
Sehr wichtig. Ein offener, respektvoller Umgang im Team schafft ein Klima, in dem sich alle wohlfühlen und ihr Bestes geben können. Ich freue mich auf den Austausch, das gemeinsame Reflektieren und auch darauf, dass wir uns gegenseitig unterstützen.
Gute Führung bedeutet für jede Person etwas anderes. Was heißt Führung für Sie?
Führung heißt für mich, Potenziale zu erkennen und zu fördern. Für mich lebt gute Führung von Haltung und Authentizität. Nicht von Hierarchie.
Was möchten Sie den Schülerinnen und Schülern mitgeben, die gerade am Anfang ihres Weges stehen?
Ein neues Schuljahr ist wie ein leeres Buch mit vielen offenen Seiten. Ich möchte die Schüler:innen ermutigen, neugierig zu bleiben, Fehler nicht zu fürchten und auf sich selbst zu vertrauen. Lernen ist kein Wettlauf, sondern eine Reise. Oder anders gesagt: „Ihr müsst nicht alles wissen, aber ihr dürft alles fragen.“
Wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft der Pflegeausbildung frei hätten... welcher wäre das?
Mein größter Wunsch wäre, dass Pflegeberufe und die Ausbildung endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdienen: mit modernen Lernbedingungen, guter Ausstattung und vor allem mit echter Wertschätzung.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
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Das Interview führte Michael Vogl, Referent Marketing
