Die 56-jährige gebürtige Oberpfälzerin ist im Landkreis Schwandorf geboren und aufgewachsen. Ihr Medizinstudium absolvierte sie in Regensburg und München, danach sollte es eigentlich in die Unfallchirurgie gehen… Doch dann kam die Gefäßchirurgie dazwischen und sie hatte die Möglichkeit, die Fachabteilung in Dachau mit aufzubauen - und so zog das Fach sie in seinen Bann. 2003 kehrte Dr. Tabken mit ihrer Familie in die Oberpfalz zurück, wechselte 2010 zu den Barmherzigen Brüdern und baute im Krankenhaus Schwandorf die Gefäßchirurgie auf.
Seit 2025 ist sie Chefärztin der Klinik für Gefäßchirurgie am Krankenhaus St. Barbara Schwandorf. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was sich für sie verändert hat, aber auch über ihre Werte und Perspektiven.
Frau Dr. Tabken, wie sind die ersten 8 Monate für Sie gelaufen? Was hat sich für Ihre Arbeit verändert?
Medizinisch mache ich jetzt genau den gleichen Job wie zuvor auch. Doch mit dem Titel der Chefärztin kommen verschiedene andere Verantwortlichkeiten dazu, nämlich mehr Einblick in wirtschaftliche, personelle und strukturelle Angelegenheiten des Krankenhauses und des Verbunds. Dadurch wächst auch viel Verständnis für Entscheidungen in der Geschäftsführung und für das große Gefüge, man versteht den großen Druck, unter dem Krankenhausgeschäftsführer:innen stehen. Aber man interessiert sich auch noch stärker für Personalfragen und die Mitarbeiterzufriedenheit. Die organisatorischen Einblicke sind interessant und herausfordernd, können aber auch manchmal belasten.
In der Chirurgie begegnen einem nur selten Frauen in Führungspositionen. Wie sehen Sie das?
Wir als Frauen, und gerade im Chirurgischen, müssen sehr viel mehr kämpfen. Als Frau in der Chirurgie kämpfe ich seit über 25 Jahren: um mein Standing, um meine Position… und es ist Fakt, dass wir Frauen mit mehr Herausforderungen konfrontiert sind, um Führungspositionen zu erreichen. Ich kenne extrem gute Männer in Führungspositionen. Aber ich kenne auch extrem gute Chirurginnen, die alle an Führungspositionen nicht herankommen. Ich bin sehr dankbar, aber dieser Kampf endet nicht. Und selbst wenn Frauen nach wie vor im Familiengefüge die meiste Care-Arbeit leisten – für mich persönlich war das kein beruflicher Nachteil. Ich habe den Ausgleich sehr geschätzt und wünsche es jedem Kollegen, die Möglichkeit zu haben, dadurch über den Tellerrand hinauszublicken. Das schützt meines Erachtens nach auch vor einem Ausgebrannt-sein durch Klinikalltag.
Wie wichtig ist die Klinik für Gefäßchirurgie an unserem Krankenhaus für uns und die Region? Welches Spektrum deckt die GCH in Schwandorf ab?
Schwandorf hat einen sehr großen Landkreis und damit auch sehr viele Patient:innen, die uns brauchen. Das schlägt sich nicht nur in den Zuweisungen der Hausärzte wieder, sondern das sehen wir auch in den Sprechstunden und im Notfallzentrum. Wir machen hier sehr gute Medizin und betreuen gefäßbezogen alles, außer die Aortenchirurgie. Und für diesen Spezialbereich haben wir die beste Verbindung zu unseren Verbundkollegen in Regensburg. Mit der Gründung der eigenen Klinik für Gefäßchirurgie ist die Wahrnehmung in der Region enorm gestiegen. Doch der Bedarf ist schon immer da und unser Angebot wird auch sehr gut angenommen.
Welche medizinischen Meilensteine/Ziele für Ihren Fachbereich/die Klinik haben Sie sich für die nächste Zeit gesetzt? Ein Blick in die Zukunft der Klinik für Gefäßchirurgie…
Ich möchte, dass Schwandorf Ausbildungsstandort wird!
Die Zusammenarbeit mit und die Ausbildung der jungen Ärztinnen und Ärzte liegt mir sehr am Herzen. Wir möchten sehr gerne innerhalb des Krankenhauses die Weiterbildungsermächtigung beantragen, um selbstständig Assistenten ausbilden zu können. Hier hoffe ich, dass wir auch Assistenzärzte in der Gefäßchirurgie ausbilden können. Die Ideen reichen von verschiedenen Vorschlägen der Rotation bis zur Ausweitung des Weiterbildungsspektrums in Zusammenarbeit mit unserem Verbundkrankenhaus in Regensburg.
Warum sollten sich Medizinerinnen und Mediziner für unser Krankenhaus entscheiden? Was zeichnet es aus?
Die Größe unseres Krankenhauses ist genau richtig, um gute Medizin zu machen und trotzdem nicht anonym zu sein. Und trotzdem machen wir hier Medizin auf einem sehr hohen Niveau. Durch die Anbindung an BBR haben wir die Möglichkeit, unseren Patienten sogar noch mehr anbieten zu können. Auch in der Kollegialität spiegelt sich die Größe wider: Unter den Kollegen im Haus hier kennt sich jeder. Wir arbeiten hier in einer sehr hohen Schlagzahl, doch wir haben kurze Wege und versinken nicht in Anonymität, und das ist der große Vorteil von unserem Krankenhaus.
Vielen Dank für das Gespräch!
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Das Interview führte Johanna Foitzik.
